Rebecca Harms

Mitglied des Europäischen Parlaments in der Grünen/EFA Fraktion 2004-2019

#atom    21 | 04 | 2015

26. April 2015: 29 Jahre Tschernobyl

Seit Jahrzehnten beschäftigt sich Rebecca Harms mit der Katastrophe von Tschernobyl. Als 1986 das Atomkraftwerk Tschernobyl explodierte, war Rebecca, damals Mitarbeiterin der Europaabgeordneten Undine von Blottnitz, zuständig für Berichte über die Folgen des Reaktorunglücks für Europa.

 

Zweieinhalb Jahre nach der Explosion von Block 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl, reiste Rebecca Harms in die Sperrzone rund um den havarierten Reaktor. Ihre Eindrücke hielt sie damals in einem Artikel für die tageszeitung (taz) fest.

Eine Reise in die Zone, taz vom 15.12.1988

 

Ihre Schilderungen sind nach wie vor in vielem zutreffend. Noch heute wirkt die Zone verwaist und verlassen. Noch heute fahren täglich Tausende zum Arbeiten in die Zone und ans Kraftwerk, der radioaktive Müll stapelt sich in Hunderten von Zwischenlagern. Die Brennelemente aus den stillgelegten Tschernobyl-Reaktoren sind bis heute nicht entladen. Die Arbeiten für den mit einer Milliarde Euro (Stand 2010) finanzierten neuen Sarkophag haben gerade erst begonnen.

"Wir wollten damals nicht Recht haben", Interview mit Rebecca Harms, erschienen am 21. April 2011 in der Neuen Presse.

 

Viele gesundheitliche und ökologische Folgen werden jetzt erst sichtbar. Vor allem in der Ukraine, Weißrussland und Russland steigt die Zahl der anerkannten Tschernobyl-Opfer immer noch an.

Langzeitfolgen jetzt erst sichtbar, Schrägstrich-Artikel vom März 2011

 

Wie verheerend und nachhaltig die Auswirkungen des Reaktorunglücks waren analysierten  die britischen Wissenschaftler Ian Fairlie und David Sumner im Auftrag von Rebecca Harms 2006.

Der andere Bericht über Tschernobyl (TORCH), Greens/EFA, April 2006.

 

Seit der Katastrophe von Tschernobyl ist es in verschiedenen Ländern zu Dutzenden von Störfällen gekommen, die oft nur einen Schritt von einer Katastrophe großen Ausmaßes entfernt waren. Die von Rebecca Harms in Auftrag gegebene Studie "Restrisiko" nimmt 16 der gefährlichsten Ereignisse der vergangenen 20 Jahre in neun Ländern unter die Lupe und macht deutlich, dass dem Risiko der Erderwärmung nicht mit einer Ausweitung des atomaren Risikos begegnet werden darf.

Studie: Restrisiko: Ereignisse in Atomkraftwerken seit dem Tschernobyl-Unfall 1986, Greens/EFA, Mai 2007 (Vorwort in deutsch von Rebecca Harms, Zusammenfassung und Fazit in deutsch)

 

Zum 25. Jahrestag des Reaktorunglücks organisierten Rebecca Harms und die Fraktion Die Grünen/EFA im Europäischen Parlament in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung, dem Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft, dem Westwendischen Kunstverein e.V. und dem Kulturamt der Stadt Freiburg das Projekt "Tschernobyl25 – Expeditionen". Ziel des europäischen Projektes war es, an den GAU zu erinnern, die Gefahren der Atomkraft sichtbar zu machen, die Auswirkungen des Gaus begreifbarer zu machen. Zum Projekt gehörten verschiedene Ausstellungen, u.a. die Wanderausstellung „Die Straße der Enthusiasten“, Lesungen, Diskussionen und internationales Symposien.

Mehr Informationen unter www.tschernobyl25.org

Rebecca Harms' Eröffnungsrede zu "Tschernobyl25 - Expeditionen"

 

Die internationale Atomindustrie, die bereits vor Fukushima in schlechter Verfassung war, ist seit der Fukushima-Katastrophe mehr denn je ein Sektor in der Krise. Das deuten die Zahlen in den Berichten über den Zustand der Atomindustrie immer wieder an: The World Nuclear Industry Status Report 2014

Umso mehr sind die AKW-Neubaupläne, wie das teure und riskante britische Projekt Hinkley Pont C, wirtschaftlicher Wahnsinn.  Die Grüne/EFA Fraktion veranstaltete zusammen mit der Heinrich-Böll-Stiftung am 5. März 2015 die Konferenz "From Fukushima to Hinkley: Dismantling the nuclear argument for a sustainable energy future" in London.

Zu Wort kamen japanische Fachleute, die über die Folgen der Katastrophe berichteten und politische und juristische Gegner des geplanten Reaktor-Neubaus im englischen Südwesten.

Präsentationen der Grüne/Efa Konferenz "From Fukushima to Hinkley: Dismantling the nuclear argument for a sustainable energy future"

Am 29. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe haben in Fessenheim mehrere tausend Menschen für die Abschaltung des alten Atomkraftwerks demonstriert. Staatspräsident Hollande hatte versprochen, dass das Akw Fessenheim bis Ende 2017 vom Netz gehen soll. Daran erinnerten am Sonntag, den 26. April 2015,  über 3000 Demonstranten.

> Zum SWR-Video mit Rebecca Harms


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