Rebecca Harms

Mitglied des Europäischen Parlaments in der Grünen/EFA Fraktion 2004-2019

#atom    30 | 07 | 2012

Versunkene Atom-U-Boote und hoch radioaktiver Atommüll auf dem Meeresgrund

Versunkene Atom-U-Boote und hoch radioaktiver Atommüll auf dem Meeresgrund

Anfrage von Rebecca Harms zur schriftlichen Beantwortung an die Kommission vom 11. Juni 2012


1989 versank das sowjetische Atom-U-Boot K-278 „Komsomolets“ in der Barentssee mit zwei Atomreaktoren und nuklearen Torpedoköpfen in 1 680 Metern Tiefe. 2003 versank das russische Atom-U-Boot K-159 mit zwei Atomreaktoren und 800 kg hoch angereichertem Kernbrennstoff in der Barentssee in einer Tiefe von 240 Metern. Nach einem offiziellen Bericht des russischen Staatsrates vom Juni 2011 ist in den Atomreaktoren eine nicht mehr zu kontrollierende Kettenreaktion „hochwahrscheinlich“. Insgesamt lagern dem Bericht zufolge auf dem Grund des Polarmeeres drei Atom-U-Boote, 14 Atomreaktoren, 19 Schiffe mit festem Atommüll, 735 radioaktive Gebilde und mehr als 17 000 Container mit Atommüll.

 

1. Wie bewertet die Kommission die Gefährdung durch versenkten hoch radioaktiven Abfall und versunkene Atom-U-Boote (K-159, K-278 Komsomolets?) im Arktischen Meer?

2. Russische Wissenschaftler gehen davon aus, dass eine nicht zu kontrollierende nukleare Kettenreaktion in den Reaktoren der K-159 und der K-278 „hochwahrscheinlich“ ist. Was bedeutet dies für die Fischgründe in der Karasee und der Barentssee aus Sicht der Kommission?

3. Wie steht die Kommission zu der Forderung, die K-159, die K-278 und die versenkten Atomreaktoren mit Kernbrennstäben und anderen hoch radioaktiven Abfällen zu bergen?

 


Antwort von Herrn Piebalgs im Namen der Kommission vom 25. Juli 2012

 

Die Kommission ist sich der von den versunkenen Atom-U-Booten und radioaktiven Abfällen ausgehenden Gefahr bewusst, die sie als besorgniserregend einstuft. Die internationalen Abhilfemaßnahmen verfolgt sie daher mit großer Aufmerksamkeit. In der Vergangenheit hat sich die Kommission sehr aktiv für die Zusammenarbeit bei der Entsorgung von radioaktiven Abfällen und U-Boot-Reaktoren in den Häfen Nordwestrusslands sowie an Land eingesetzt.

 

Infolge der Globalen Partnerschaft, die auf dem Gipfeltreffen von Kananaskis im Jahr 2002 ins Leben gerufen wurde, kam eine bilaterale und multilaterale Zusammenarbeit bei Umweltfragen in Nordrussland zustande. Die Kommission hat einen Beitrag zu den multilateralen Initiativen im Rahmen des Unterstützungsfonds der Umweltpartnerschaft für die Nördliche Dimension (NDEP) geleistet.

 

Die Kontakt-Expertengruppe, die unter der Leitung der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) eingerichtet wurde, gewährleistet eine enge Abstimmung der Geber und der Russischen Föderation.

 

Die von der russischen Regierung bereitgestellten Informationen bieten der Kommission keine Anhaltspunkte zu der Vermutung, dass eine unmittelbare Kettenreaktion in den versunkenen Atomreaktoren „hochwahrscheinlich“ wäre.


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